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Erbrecht: Testament im Original notwendig?

Die Großeltern gehen zum Notar, errichten dort ein Testament und setzen eine gemeinnützige Organisation als Schlusserben ein. Danach überlegen sie es sich anders und errichten nun vor einem Notar ein Testament, mit dem sie ihren Enkel als Alleinerben einsetzen.

Der Tod tritt ein, der als Alleinerbe bedachte Enkel kann allerdings nur eine Kopie der Urkunde vorlegen. Die gemeinnützige Organisation kontert mit einem Original des zeitlich älteren Testaments. Wer ist nun Erbe geworden? Die gemeinnützige Organisation, die sich auf eine Originalurkunde stützen kann oder der Enkelsohn, der die Kopie einer zeitlich jüngeren Urkunde vorlegt, die das vorher errichtete Testament ablöst?

Eine Frage, die sich zurückführen lässt auf die Prüfung, ob ein Testament immer im Original als Ausweis des Erbrechts vorliegen muss oder ob auch eine Kopie genügt. Genügt auch eine Kopie, dann würde das zeitlich jüngere Testament die ältere Verfügung von Todes wegen ablösen und der Enkel wäre Erbe. Einen Fall, den das Oberlandesgericht (OLG) Köln zu entscheiden hatte (Beschluss vom 2.12.2016 - I-2 Wx 550/16, veröffentlicht in ZEV 2017, 114 = NJW-Spezial 2017, 40 = Erbrecht effektiv 2017, 80 und 2018, 106).

Der Richterspruch:
Auch die Kopie eines Testaments kann als Erbnachweis tauglich sein, wenn das Original der Testamentsurkunde nicht mehr auffindbar ist. Denn allein wegen der Unauffindbarkeit kann ein Testament nicht als ungültig behandelt werden. Insbesondere kann nicht vermutet werden, dass es vom Errichter und Erblasser vernichtet worden und deshalb als widerrufen anzusehen ist (§ 2255 BGB; ebenso: OLG Schleswig, Beschluss vom 12. August 2013 - 3 Wx 27/13). Allerdings muss derjenige, der sich auf ein unauffindbares Testament beruft und nur die Kopie vorlegen kann, die formgültige Errichtung und den Testamentsinhalt beweisen; dies insbesondere im Verfahren auf Erteilung eines Erbscheins. Eine Kopie kann hierbei als Nachweis ausreichen, so das OLG Köln (Rn. 36 der Entscheidungsgründe).

Wer mehr zur formgültigen Errichtung einer Verfügung von Todes wegen (Testament oder Erbvertrag) erfahren möchte, der sei verwiesen auf die Broschüre „Übertragung und Vererbung von Grundbesitz“, 3. Auflage 2017, ISBN 978-3-939787-91-4, 482 Seiten, 24,95 € zuzüglich Versandkosten bei Einzelbestellung, zu beziehen über Haus und Grund Gehrden, Ronnenberg und Umgebung e.V.

© Dr. Hans Reinold Horst

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